Musikzug feiert 70 jähriges Bestehen mit Jubiläumskonzert
Doch die Zeiten ändern sich. Heute- 70 Jahre später - ist der Musikzug Störmede mit 80 Aktiven stark besetzt und vielfältig was das Repertoire angeht. So ist neben Marsch-, Konzert, Choral- und Unterhaltungmusik auch die Tanzmusik ein Aushängeschild geworden. Von diesem breiten Spektrum konnten sich am Samstag Abend auch die Gäste überzeugen: Rund 650 Besucher erlebten ein grandioses Geburtstagskonzert in der Störmeder Schützenhalle. Der Höhepunkt: Das Stück "Grand Filou", ein Mix aus den schönsten und bekanntesten klassischen Werken vergangener Zeiten.
Durch den Abend führt Dirigent Berthold Kutscher, charmant und mit lässigem Plauderton. Da kann man sogar noch richtig was lernen: Tschaikowsky wollte eigentlich staatlicher Beamter werden und Johann Strauß Bankangestellter; Mozart wäre heute ein schwer reicher Plattenmillionär, damals war er aber notorisch pleite, da er ein ausschweifendes Partyleben führte. Berthold Kutscher versteht es, Geschichten zu erzählen - und erst recht zu dirigieren... Das Programm setzt Kontraste. Zwischen klassischen Märschen kommt der "Tanz der Vampire", ganz stilecht mit aufsteigenden Nebelschwaden und schummrigem Licht. Dramatik vermitteln die Musiker bei Bachs berühmterm Orgelwerk "Toccata in D Moll", das im Original einsetzt - mit Markus Struwes brilliantem Solo an der Orgel - und dann in die moderne Fassung von Jan van Kraeydonck aufgeht. Hier sticht vor allem die großartige Percussion- Besetzung des Musikzugs heraus.
Drei Stunden Konzert vergehen wie im nu. Nur einmal gibt Berthold Kutscher das Heft aus der Hand, dies allerdings freiwillig. Er überreicht seinen Taktstock dem Ehrendirigenten Franz Körkemeier, der den Marsch "Oh Vitinoh" als Gastdirigent leiten darf. Drei Zugaben muß das Orchester schließlich noch geben, denn die Besucher schreien und applaudieren so lange, bis ihr "Herzstück" der "Marsch der Märsche" noch kommt. Berthold Kutscher kennt das. "Ja, ja, ich weiß genau was ihr hören wollt, 'Alte Kameraden'." Der Dirigent versteht eben nicht nur seine Musiker, sondern auch sein Publikum. |