Musikzug feiert 70 jähriges Bestehen mit Jubiläumskonzert

"Am 5. November 1936 wurde der Musikzug Störmede aus der Freiwilligen Feuerwehr gegründet, da man so die vorhandenen Uniformen nutzen konnte. Damals dachte man halt praktisch," erklärt der Vorsitzende Franz-Josef Schwarte. Damals: Ein paar Hörner, zwei Trompeten, Tuba, Trommel - das war alles. Nur vier Märsche gehörten zum Repertoire des kleiner Orchesters. So kam es, dass diese Stücke dann häufiger an einem Abend wiederholt wurden.

Doch die Zeiten ändern sich. Heute- 70 Jahre später - ist der Musikzug Störmede mit 80 Aktiven stark besetzt und vielfältig was das Repertoire angeht. So ist neben Marsch-, Konzert, Choral- und Unterhaltungmusik auch die Tanzmusik ein Aushängeschild geworden. Von diesem breiten Spektrum konnten sich am Samstag Abend auch die Gäste überzeugen: Rund 650 Besucher erlebten ein grandioses Geburtstagskonzert in der Störmeder Schützenhalle. Der Höhepunkt: Das Stück "Grand Filou", ein Mix aus den schönsten und bekanntesten klassischen Werken vergangener Zeiten.

Was passiert da auf der Bühne: Das Orchester zeigt, neben seinem musikalischen Können, auch schauspielerisches Talent. Wenn die Kapelle macht, was sie will, die Trompeten sich erheben, die Posaunen sich mit einem Bier zuprosten, der Dirigent sich verzweifelten Blickes dem Publikum zuwendet, ein Klarinettist versucht alles zu beruhigen und dann auch noch ein Schlagzeuger beim Duell erschlagen wird... - das ist weit mehr als ein klassisches Frühlingskonzert, das ist große Show.

Durch den Abend führt Dirigent Berthold Kutscher, charmant und mit lässigem Plauderton. Da kann man sogar noch richtig was lernen: Tschaikowsky wollte eigentlich staatlicher Beamter werden und Johann Strauß Bankangestellter; Mozart wäre heute ein schwer reicher Plattenmillionär, damals war er aber notorisch pleite, da er ein ausschweifendes Partyleben führte. Berthold Kutscher versteht es, Geschichten zu erzählen - und erst recht zu dirigieren...

Das Programm setzt Kontraste. Zwischen klassischen Märschen kommt der "Tanz der Vampire", ganz stilecht mit aufsteigenden Nebelschwaden und schummrigem Licht. Dramatik vermitteln die Musiker bei Bachs berühmterm Orgelwerk "Toccata in D Moll", das im Original einsetzt - mit Markus Struwes brilliantem Solo an der Orgel - und dann in die moderne Fassung von Jan van Kraeydonck aufgeht. Hier sticht vor allem die großartige Percussion- Besetzung des Musikzugs heraus.

Apropos herausragend: Nicht nur Markus Struwe glänst durch ein Solo. Herausragend ist auch das Blockflötensolo von Annegret Schwarte. Ein oft eher verpöntes, belächeltes Instrument. Doch Annegret Schwarte zeigt mit dem Stück "Fiorelina", wie faszinierend facettenreich die Klänge seien können. "Stellen Sie sich die schottischen Highlands vor, eine grüne Wiese, ein verträumter Hirtenjunge, der vor sich hinspielt...", schildert Berthold Kutscher die Atmosphäre. Das war aber noch nicht alles. Bei weiteren Stücken wird deutlich, dass der Musikzug mit noch mehr Solisten aufwarten kann. So glänzen Jörg Moselage (Saxophon), Klaus Engelhard (Klarinette), Martin und Carla Hillebrand (Horn und Querflöte) im "Tanz der Vampire" mit Soloeinlagen.

Drei Stunden Konzert vergehen wie im nu. Nur einmal gibt Berthold Kutscher das Heft aus der Hand, dies allerdings freiwillig. Er überreicht seinen Taktstock dem Ehrendirigenten Franz Körkemeier, der den Marsch "Oh Vitinoh" als Gastdirigent leiten darf. Drei Zugaben muß das Orchester schließlich noch geben, denn die Besucher schreien und applaudieren so lange, bis ihr "Herzstück" der "Marsch der Märsche" noch kommt. Berthold Kutscher kennt das. "Ja, ja, ich weiß genau was ihr hören wollt, 'Alte Kameraden'." Der Dirigent versteht eben nicht nur seine Musiker, sondern auch sein Publikum.

 

Bilder vom Konzert